Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, mich intensiver mit dem Thema Blockchain zu beschäftigen, war die Frage meistens eine andere: „Was ist eigentlich Bitcoin?“ Heute höre ich viel häufiger: „Wie viele Blockchains gibt es überhaupt?“ Diese Frage klingt zunächst einfach, wird aber schnell kompliziert, sobald man genauer hinschaut. Bei Gesprächen mit Einsteigern merke ich oft, dass viele noch glauben, es gäbe eine einzige große Blockchain-Technologie, ähnlich wie das Internet ein gemeinsames Netz ist. Die Realität ist deutlich vielfältiger.
In meiner Arbeit als Redakteur für digitale Themen habe ich erlebt, wie sich der Blick auf Blockchains verändert hat. Anfangs stand fast ausschließlich Bitcoin im Mittelpunkt. Danach kamen Plattformen wie Ethereum, später unzählige spezialisierte Netzwerke für Spiele, Finanzanwendungen, Unternehmen oder digitale Identitäten. Manche dieser Projekte verschwanden wieder, andere entwickelten sich zu wichtigen Bausteinen einer neuen digitalen Infrastruktur.
Die genaue Anzahl aller Blockchains lässt sich deshalb nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Jeden Monat entstehen neue Netzwerke, während andere kaum noch genutzt werden. Je nachdem, ob man nur öffentliche Blockchains zählt oder auch private Unternehmenslösungen berücksichtigt, kommt man auf sehr unterschiedliche Ergebnisse. Schätzungen gehen mittlerweile von mehreren Tausend aktiven Blockchain-Netzwerken aus.
Warum die Frage nach der Anzahl komplizierter ist, als sie wirkt
Wenn jemand fragt, wie viele Blockchains es gibt, steckt dahinter meistens der Wunsch nach Orientierung. Die Welt der Kryptowährungen und dezentralen Netzwerke wirkt auf viele Menschen unübersichtlich: Bitcoin, Ethereum, Solana, Cardano, Polkadot, Avalanche und viele weitere Namen tauchen ständig auf. Dazu kommen Begriffe wie Layer-2-Netzwerke, Sidechains oder private Blockchains.
Der Grund für diese Vielfalt liegt darin, dass eine Blockchain heute nicht mehr nur als digitales Kassenbuch verstanden wird. Bitcoin wurde entwickelt, um digitale Zahlungen ohne zentrale Stelle zu ermöglichen. Spätere Projekte wollten andere Probleme lösen: schnellere Transaktionen, geringere Gebühren, programmierbare Verträge oder Anwendungen, die direkt auf der Blockchain laufen.
Man kann sich Blockchains deshalb eher wie unterschiedliche Betriebssysteme vorstellen. Ein Smartphone funktioniert nicht automatisch gleich wie ein Computer, nur weil beide digitale Geräte sind. Ähnlich verfolgen verschiedene Blockchains unterschiedliche technische Ansätze und Zielgruppen.
Bitcoin: Der Anfang einer neuen Idee
Wenn ich die Entwicklung der Blockchain erkläre, beginne ich fast immer mit Bitcoin. Nicht, weil Bitcoin heute jede technische Herausforderung am besten löst, sondern weil dieses Netzwerk den entscheidenden Schritt gemacht hat: Es zeigte, dass Menschen weltweit digitale Werte übertragen können, ohne einer Bank oder einer anderen zentralen Institution vertrauen zu müssen.
Die Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers im Jahr 2008 durch den anonymen Entwickler oder die Entwicklergruppe hinter dem Namen Satoshi Nakamoto war ein Wendepunkt. Die Blockchain diente hier vor allem als unveränderliche Liste von Transaktionen. Jeder Teilnehmer konnte überprüfen, welche Überweisungen stattgefunden hatten.
Mit der Zeit wurde Bitcoin vor allem als eine Art digitales Wertaufbewahrungsmittel betrachtet. Die einfache Struktur ist gleichzeitig eine Stärke und eine Einschränkung. Bitcoin möchte nicht möglichst viele Anwendungen auf einer einzigen Plattform ermöglichen. Das Netzwerk konzentriert sich auf Sicherheit und Stabilität.
Genau diese Begrenzung führte dazu, dass Entwickler nach neuen Möglichkeiten suchten.
Ethereum und der Schritt zu programmierbaren Blockchains
Die nächste große Entwicklungsstufe kam mit Ethereum. Das Netzwerk brachte eine Idee in den Mittelpunkt, die die Blockchain-Welt stark verändert hat: sogenannte Smart Contracts. Dabei handelt es sich um Programme, die direkt auf einer Blockchain ausgeführt werden können.
Für viele Menschen war das der Moment, in dem Blockchain nicht mehr nur mit Kryptowährungen verbunden wurde. Plötzlich entstanden Anwendungen für dezentrale Finanzsysteme, digitale Sammlerstücke, Spiele und viele andere Bereiche.
Ethereum hat gezeigt, dass eine Blockchain nicht nur Daten speichern muss, sondern auch eine Plattform für digitale Anwendungen sein kann. Gleichzeitig wurden aber auch die Grenzen sichtbar. In Zeiten hoher Nutzung stiegen die Gebühren, und Transaktionen konnten langsamer werden.
Diese Probleme führten wiederum zu einer neuen Generation von Netzwerken, die versuchten, schneller oder günstiger zu sein.
Die wichtigsten Blockchain-Arten und ihre Unterschiede
Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Kategorien entwickelt. Nicht jede Blockchain verfolgt denselben Zweck, und genau hier entstehen viele Missverständnisse. Eine schnelle Blockchain ist nicht automatisch besser als eine langsame. Es hängt davon ab, wofür sie eingesetzt werden soll.
- Öffentliche Blockchains: Diese Netzwerke können grundsätzlich von jedem genutzt werden. Bitcoin und Ethereum gehören zu dieser Gruppe. Transparenz und offene Teilnahme stehen im Mittelpunkt.
- Private Blockchains: Unternehmen nutzen diese häufig für interne Prozesse. Der Zugang ist begrenzt, wodurch Kontrolle und Datenschutz leichter umgesetzt werden können.
- Plattform-Blockchains: Diese Netzwerke wurden speziell dafür entwickelt, Anwendungen und Smart Contracts zu ermöglichen. Beispiele sind Ethereum, Solana oder Avalanche.
- Spezialisierte Blockchains: Manche Projekte konzentrieren sich auf bestimmte Bereiche wie Gaming, Lieferketten oder digitale Identitäten.
Diese Einteilung hilft dabei, die Landschaft besser zu verstehen. Sie zeigt aber auch, warum eine einfache Rangliste aller Blockchains wenig sinnvoll ist. Ein Netzwerk für internationale Zahlungen muss andere Anforderungen erfüllen als eine Blockchain für ein Computerspiel.
Bekannte Blockchains neben Bitcoin und Ethereum
Nach den ersten großen Erfolgen entstanden zahlreiche Projekte, die eigene technische Wege gingen. Einige davon sind geblieben, andere haben kaum noch Bedeutung. In Gesprächen über Blockchains begegnen mir besonders häufig einige Namen.
wurde vor allem durch hohe Geschwindigkeit bekannt. Das Netzwerk setzt auf eine Architektur, die viele Transaktionen ermöglichen soll. Es wurde besonders im Bereich dezentraler Anwendungen und digitaler Handelsplattformen genutzt.
verfolgt einen stärker wissenschaftlich geprägten Ansatz. Die Entwicklung wurde von vielen Forschern begleitet, und technische Entscheidungen werden häufig ausführlich diskutiert. Der Aufbau des Netzwerks erfolgt bewusst schrittweise.
beschäftigt sich mit einem anderen Problem: der Verbindung verschiedener Blockchains. Die Idee dahinter ist, dass nicht jedes Netzwerk isoliert bleiben muss, sondern unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren können.
Auch gehört zu den bekannten Plattformen, die schnelle Transaktionen und flexible Anwendungen ermöglichen möchten. Daneben existieren viele weitere Projekte, darunter Netzwerke für Unternehmen, Finanzdienstleistungen oder spezielle digitale Ökosysteme.
Warum ständig neue Blockchains entstehen
Manchmal werde ich gefragt, ob wirklich so viele verschiedene Blockchains notwendig sind. Die Frage ist verständlich, denn die Vielzahl wirkt auf den ersten Blick chaotisch. Allerdings entstehen neue Netzwerke oft aus konkreten technischen oder wirtschaftlichen Anforderungen.
Ein Entwicklerteam kann beispielsweise feststellen, dass bestehende Blockchains für eine bestimmte Anwendung zu teuer oder zu langsam sind. Statt die gesamte Infrastruktur anzupassen, entsteht dann ein eigenes Netzwerk. Manche Projekte versuchen auch, bestimmte Eigenschaften miteinander zu kombinieren: hohe Sicherheit, schnelle Verarbeitung und einfache Nutzung.
Ein weiterer Faktor ist die Konkurrenz zwischen verschiedenen technischen Konzepten. Die Blockchain-Branche befindet sich noch immer in einer Entwicklungsphase. Viele Ideen werden ausprobiert, ähnlich wie in den frühen Jahren des Internets verschiedene Technologien miteinander konkurrierten.
Nicht jede dieser Ideen wird langfristig bestehen bleiben. Das erinnert mich an die Entwicklung von Webseiten und Online-Diensten in den 1990er-Jahren. Damals entstanden ebenfalls unzählige Angebote, von denen nur wenige dauerhaft relevant wurden.
Layer-2-Netzwerke: Sind das neue Blockchains?
Eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Zählung entsteht durch sogenannte Layer-2-Lösungen. Dabei handelt es sich um Systeme, die auf bestehenden Blockchains aufbauen und bestimmte Aufgaben auslagern.
Bei Ethereum spielen solche Lösungen eine große Rolle. Sie sollen Transaktionen schneller und günstiger machen, ohne die Sicherheit des Hauptnetzwerks vollständig aufzugeben. Technisch gesehen sind sie jedoch nicht immer eigenständige Blockchains im klassischen Sinn.
Genau deshalb unterscheiden verschiedene Statistiken unterschiedlich. Manche zählen jedes unabhängige Netzwerk, andere berücksichtigen auch kleinere technische Erweiterungen. Die Antwort auf die Frage „Wie viele Blockchains gibt es?“ hängt also stark davon ab, welche Definition man verwendet.
Was die Zukunft der Blockchain-Landschaft wahrscheinlich bringen wird
Nach meiner Beobachtung wird die Zukunft nicht darin bestehen, dass am Ende nur eine einzige Blockchain übrig bleibt. Dafür sind die Anforderungen zu unterschiedlich. Ein weltweites Zahlungssystem benötigt andere Eigenschaften als eine Plattform für digitale Spiele oder eine Unternehmenslösung.
Viel wahrscheinlicher ist eine Entwicklung hin zu stärker verbundenen Netzwerken. Ähnlich wie verschiedene Internetdienste heute miteinander funktionieren, könnten auch Blockchains stärker zusammenarbeiten. Nutzer werden vielleicht irgendwann kaum noch merken, welche Blockchain im Hintergrund verwendet wird.
Die größte Veränderung könnte deshalb nicht darin liegen, dass eine bestimmte Blockchain gewinnt. Entscheidend wird eher sein, welche Technologien tatsächlich nützlich werden und langfristig Probleme lösen.
Mein Blick auf die Vielzahl der Blockchains
Wenn ich heute jemandem erkläre, wie viele Blockchains es gibt, versuche ich nicht, einfach eine Zahl zu nennen. Eine Zahl allein vermittelt ein falsches Bild. Die interessante Geschichte steckt nicht in der Menge, sondern in der Entwicklung dahinter.
Die Blockchain-Welt erinnert mich an eine große Werkstatt, in der ständig neue Werkzeuge ausprobiert werden. Manche bleiben liegen, andere werden verbessert und irgendwann unverzichtbar. Wer nur auf die Anzahl der Netzwerke schaut, verpasst den eigentlichen Punkt.
Am Ende geht es weniger darum, wie viele Blockchains existieren, sondern welche davon einen echten Nutzen schaffen. Genau diese Frage wird vermutlich in den nächsten Jahren viel spannender sein als jede Statistik über die Anzahl neuer Netzwerke.
Illustrationen und Bilder: Magnific (https://www.magnific.com)
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